Junioren A - Runde 7

An Tagen wie diesen…

Morgens um 8 Uhr (gefühlt also mitten in der Nacht danke Zeitumstellung) ging es los. Als langjähriger Trainer und mittlerweile halbwegs abgehärteter Pädagoge im Umgang mit Jugendlichen sollte man ja eigentlich auf alles vorbereitet sein. Sollte.

Als ich dann aber bei zwei von sieben Spielern persönlich klingeln oder telefonisch eingreifen musste, um sie überhaupt aus dem Bett zu bekommen, und mir dabei Gesichter entgegenblickten, die irgendwo zwischen Tiefschlaf und „System wird gerade hochgefahren“ einzuordnen waren, stellte sich einmal mehr die berechtigte Frage, wieso tue ich mir das eigentlich an?

Mein letzter Auftritt als Trainer drohte also ein Desaster zu werden. Unsere Gegner waren auf dem drittletzten und letzten Tabellenplatz. Unsere Voraussetzungen jedoch eher überschaubar, wenn man bedenkt, dass meine Mannschaft in dieser Nacht zusammengerechnet vermutlich weniger geschlafen hatte als ich allein. Man durfte also durchaus von einem potenziellen Abschlussdebakel ausgehen.

Auch die Fahrt nach Selzach trug nicht unbedingt zur Beruhigung bei. Das durchschnittliche Gesprächsniveau bewegte sich konstant in Richtung Keller, teilweise sogar deutlich darunter. Aus Gründen der Selbstfürsorge verzichtete ich deshalb auf jegliche pädagogischen Interventionen und überliess die Jungs bis kurz vor Spielbeginn ihrem Schicksal.

Erst nach dem Einlaufen und wirklich nur als letzte verzweifelte Massnahme, appellierte ich an die Mannschaft. Mein einziger Wunsch war ein halbwegs anständiger Saisonabschluss.

Und dann, man glaubt es kaum, passierte genau das.

In beiden Spielen zeigte das Team plötzlich so etwas wie Struktur, Einsatz und… ja, tatsächlich ansehnliches Unihockey. Zwei souveräne Siege später durfte man sich kurz fragen, ob hier vielleicht doch ein Plan dahintersteckte oder einfach ein glücklicher Zufall am Werk war.

Der anschliessende Besuch im McDonald’s brachte dann wieder die gewohnte Normalität zurück. Diskussionskultur, Lautstärke und Themenwahl bewegten sich wieder auf dem gewohnten Niveau, also irgendwo zwischen fragwürdig und kreativ.

Zum krönenden Abschluss durften dann noch vier Spieler gemeinsam mit mir den Hallenboden in der Tennishalle ausbauen. Wer bis dahin noch Restenergie oder Emotionen übrig hatte, spätestens dort wurden auch diese zuverlässig eliminiert.

Damit ist die Saison der A-Junioren abgeschlossen. Das gemeinsame Projekt mit Laupersdorf darf insgesamt als Erfolg gewertet werden. Natürlich gab es Stolpersteine, und die Trainingspräsenz bewegte sich gelegentlich eher im Bereich „optional“. Das liegt vermutlich jedoch weniger an der Zusammenarbeit als vielmehr an der allgemeinen Haltung der nächsten Generation gegenüber Verbindlichkeiten.

Trotzdem: Ein grosses Dankeschön an die Jungs für ihre Offenheit gegenüber diesem Projekt, an die Eltern für die zahlreichen Fahrdienste und an das Trainerteam für die Unterstützung während der Saison.